Während die Waldlichter brennen

In den tiefen Schluchten, in denen die Frühlingssonne nur für einen Moment hineinblickt, wächst eine erstaunliche Pflanze, die wie Maiglöckchen aussieht — Waldlaternen. Seine Blätter und sein Stamm sind unauffällig, aber anstelle von weißen Glocken schwingen winzige leuchtende Knospen darauf, als wären sie aus Mondscheinsilber und gefangenen Sonnenhasen gegossen.
Wer einen solchen Stiel abreißt, erhält den Schlüssel zu den Nachtgeheimnissen des Waldes. Sein Licht erleuchtet das Unsichtbare: die Wege, die von Mondhasen ausgetreten sind, die Choräle von Waldgeistern, die auf Protalen tanzen, und das Erwachen der Natur ist, wenn die Erde leise Dampf ausatmet und der Saft durch die Holzvenen aufsteigt.
In diesem Licht erscheint die Welt als ein lebendiges, atmendes Wesen. Aber mit dem ersten Schrei des Hahns geht die Magie aus und die Waldlichter werden zu gewöhnlichen Pflanzen, die ihre Geheimnisse bis zur nächsten Nacht bewahren.
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